Central Terminal

Normale Version: Zwischenlog 23 - Richard
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*** Epsilon Eridani / Archiv der Inquisition / Lesesaal ***

Richard von Rabenstein saß am Terminal und förderte zu Tage, was sich fördern ließ - und das war eine ganze Menge. Dani hatte einen hochkarätigen Clearancecode fabriziert, denn sein eigener war natürlich längst deaktiviert worden. Selbst LaSalles Konferenz-Itinerar und einige interne Schreiben für die Hochinquisitoren der einzelnen Provinzen träufelte lieblich in seinen Speicherchip. Doch als er "Taminus" eingab, das ominöse Wort aus dem Hologramm, das im Amtsring des Großinquisitors gespeichert war, erschien die Meldung:
"Es liegen keinerlei Daten zum gewünschten Parameter vor. Haben Sie sich vielleicht vertippt? Bitte versuchen Sie es noch einmal!"

Danke, das ist nicht nötig... Richard zögerte einen Moment, entschied aber dann, alles auf eine Karte zu setzen. Sobald würde er keine Gelegenheit mehr haben, sich an einem Quell des Wissens laben zu können! Und er konnte einfach nicht wiederstehen, so nah am Ersehnten...
Er zog eine kleine Phiole mit seinem Blut aus der Tasche, aktivierte den Amtsring und hielt das kleine Hologramm auf die Authentifizierungspunkt des Terminals. Die Lichter des Bildschirms fielen in sich zusammen und formten in der nächsten Sekunde eine neue holographische Bedienoberfläche. In der Mitte prangte das Wappen des Großinquisitors. Richard hielt den Atem an. Er meinte das Pochen seines Herzens wie die lauten Schläge der Hauptglocke der Petersbasilika zu hören. Beinahe zitterten seine Finger, als er "Taminus" eingab.


*** Epsilon Eridani / Archiv der Inquisition / Systemüberwachung ***

Ian Sarman, ein knochiger, sommersprossiger Mensch, zog die Augenbrauen zusammen und brummte ohne von seinem Terminal aufzusehen: "Heiliger Strohsack! Haben wir Besuch aus der Zentrale? Da ist einer mit einer Alpha 0 Alpha-Clearance unterwegs!"

Sein Kollege Karim Ravienna steckte mit dem Kopf in den Eingeweiden des Büroreplikators und antwortete nicht. Er versuchte seit Stunden, das Gerät zur Ausgabe eines Capuccino zu bewegen und erhielt lediglich Caffé Latte. Mittlerweile war sein Replikatorkontingent für die Woche aufgebraucht und er hatte noch immer kein Koffein!

"Sancta Sanctissima!" Wenn Ian auf Latein fluchte, musste es etwas Bedeutendes sein. "Der ist im Arkanarchiv des Inquisitor Maximus!"

Karim stieß mit dem Kopf an die Replikatorverschalung. "Im Arkanarchiv?" Seinen Kaffee hatte er vergessen. "Unmöglich! Von wo?"

"Platz 24!" Ian deutete auf einen der Überwachungsschirme. "Oh Gott, das ist ein Hackerangriff!!!" Er schlug auf die Aktivatoren der Sicherheitssperre. "Scheisse!"


*** Epsilon Eridani / Archiv der Inquisition / Lesesaal
***
Richard sah den holographischen Schirm erlöschen und hörte das Aufheulen des Sicherheitsalarms. Er wusste, dass ihm nur Sekunden blieben, aus dem Lesesaal zu kommen. Den Stuhl zur Seite stoßend hechtete er an der Theke und dem verdutzten Archivar vorbei zur Tür und sprang durch die Öffnung, nur Momente bevor das Kraftfeld seine volle Intensität entfaltete. Dennoch versengte ihm die Energie den Rücken des Anzugs und die Hosenbeine. Vor allem aber deaktivierte sie seinen Holofilter, wie ihm der spiegelglatte Boden zeigte. Er fischte nach dem Kommunikator in der Jackentasche, aber es kam kein Signal.

Zornig auf sich selbst rappelte er sich hoch. Er hatte einen unverzeihlichen Fehler gemacht. Er hatte sich hinreißen lassen! Er stieß einen Mitarbeiter mit Archivgut auf Antigravwagen gegen die Wand und mobilisierte alle Kraft, den nächstmöglichen Ausgang zu erreichen. Das Archiv hatte kein eigenes Sicherheitspersonal. Aber der Alarm würde die nächstgelegene Station der imperialen Polizei erreichen! E stürmte eine Rolltreppe hinunter und versuchte wieder, Dani über den Kommunikator zu erreichen. Aber das Energiefeld hatte ihn wohl deaktiviert.

Infernus maledictus! Hoffentlich war dem Speicherchip in seinen Kontaktlinsen nichts passiert, war sein nächster Gedanke. Wenn ich allerdings demnächst als Expresspaket Richtung LaSalle unterwegs bin...

...

Karim Ravienna starrte auf das Bild der Überwachungskamera. Auf den Mann, der sich aus dem Holofilter heraus geschält hatte.
Im nächsten Moment war er aus der Tür der Systemüberwachung und verriegelte den Raum von außen. Sein Kollege brüllte, ob er den Verstand verloren habe und das würde ihn seinen Job und außerdem seinen Kopf kosten - aber Ravienna handelte auf höheren Befehl! Er rannte durch den Bürotrakt, verzichtete auf den Lift - den konnte Sarman sperren - und stürmte die Treppe abwärts bis in den Hauptkorridor.

Unterdessen gab Sarman von der Sicherheitszentrale eine Aufforderung durch, Ravienna ebenso fest zu setzen wie den unautorisierten Eindringling. Eine Kollegin rief ihm nach, was los sei und ein anderer machte den Versuch, ihn aufzuhalten. Aber wer hatte schon das Verlangen, nach körperlicher Auseinandersetzung in diesen Hallen? Außerdem: wer wusste, ob die Terroristen nicht bewaffnet waren - sogar sehr wahrscheinlich waren sie das...

...

Richard war seitwärts in einen Gang ausgewichen. Ein Blick zurück ließ ihn das Kabel übersehen, das aus einem offenen Bodentank ragte, an dem gerade Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. Er stürzte, landete unsanft auf den Knien - und wurde im nächsten Moment von zwei Händen gepackt. [/i]Gut, das war es also....[/i] Er schnaufte und wandte den Kopf, um in Augenschein zu nehmen, wer ihn erwischt hatte.

"Eminenz!" Ravienna machte eine angedeutete Verbeugung und zog Richard mit sich. "Kommen Sie! Ich bringe Sie raus!"

"Sie--"

"Ich bin ein Anhänger des Konzils und des rechtmäßig gewählten Inquisitor Maximus!" flüsterte der Archivar und fummelte mit seinem elektronischen Schlüssel an einer Tür. "Und ich bin nicht der einzige!" Die Tür öffnete sich in einen Frachttransporterraum. "Wir wussten nur nicht, dass Sie noch am Leben sind. LaSalle lässt überall verbreiten, Sie seien tot!"

Darauf kann er noch eine Weile warten! "Ich danke Ihnen..." Mehr konnte er im Augenblick nicht sagen.

Ravienna tippte auf der Transporterkonsole, deaktivierte die Sicherheitssperre für Personen. Von Ferne näherten sich Schritte. Es klang nach Polizeistiefeln. Richard presste die Lippen zusammen und schickte ein Stoßgebet zu den himmlischen Mächten.

"Habe es!" Der Archivar sprang neben den Inquisitor auf das Transporterpad. "Das wird uns irgendwo raus in den Park bringen! Wenn ich Zielkoordinaten eingebe, fangen Sie uns ab!"

"Gleichgültig. Ich habe auch einen Mann im Park warten. Bewaffnet."

"Deo Gratias!" Sie entmaterialisierten, als die Polizei in den Raum stürmte. Zwei Sekunden darauf implodierte das überladene Transporterareal und eine Nachverfolgung war nicht mehr möglich.


*** Epsilon Eridani / Archiv der Inquisition / Park ***

Polizeiandroiden schwärmten durch den Park und Suchdrohnen sausten über ihn hinweg, bereit, Transportertracker abzufeuern, die den Getroffenen sofort in eine gesicherte Zelle beamen würden. Wie bösartige kleine Hornissen zischten sie durch die Luft. Richard und sein neuer Gefolgsmann hatten Mühe, von Deckung zu Deckung zu kommen.

"Wir müssen rüber ... unter... den Schwebebahnschienen durch... die Magnetfelder stören...diese Drohnen!" keuchte Ravienna und hechtete hinter einen Busch.

Richard duckte sich unter die Brüstung eines Brunnens und versuchte immer noch, Dani ausfindig zu machen. Wenn der Bursche schlau genug gewesen war, hatte er sich aus dem Staub gemacht. Er konnte ihm jetzt jedenfalls nicht helfen. Ein Tracker krachte über ihm gegen die Brüstung und Richard wechselte schleunigst den Standort.

"Wir müssen ins ... Kloster "Zur unbefleckten Empfängnis"! zischte Ravienna. "Dort habe ich--" Weiter kam er nicht. Getroffen von einem Tracker löste sich seine Gestalt auf.

Der Inquisitor erstarrte für einen Moment, dann rannte er weiter in Richtung Schwebebahn. Schon wieder hatte sich jemand für ihn und sein Amt geopfert... Ich muss LaSalle das Handwerk legen! dachte er im Rhytmus seiner Schritte.